RCS-Racing RCS Racing


Real Road Racing on the Isle of Man

Das RCS Team startete bei den PreTT Classic Races auf der Isle of Man. Den Team-Trailer und die Zugmaschine bis unter das Dach gepackt ging es am Dienstag, 23.Mai gen England. Neben dem Renn-Equipment fuhren noch drei Solo-Straßenmotorräder (für Fahrer, Beifahrer und den Chefmechaniker des Teams) mit auf die Insel, da man die anschließende Tourist Trophy  über als Zuschauer den Jahresurlaub auf der Isle of Man verbringen wollte. Abends noch bis Dünkirchen, die Abendfähre nach Dover, Nachts über in England hoch bis Heysham und final mit der Steam-Packet über die Irische See erreichte das Team am Mittwochabend das Mekka der Motorrennsport-Begeisterten. 

Nach dem Ausladen der Solo´s vor dem Homestay in Castletown wurde das Fiddaman-BSA Gespann incl. dem ganzen notwendigen Renn-Equipment am Folgetag ins Fahrerlager des „Billown-Circuit“ verbracht und man startete erste Besichtigungstouren der Strecke mit dem Auto. Der „Billown Circuit“ liegt im Süden der Isle of Man und besteht wie der berühmte „Montain Course“ aus Land- und Kreis-Straßen, welche einfach durch Sperrungen dieser für den normalen Straßenverkehr zur Rennstrecke werden. Die fast umlaufende Bürgersteige sind einfach im Schachbrett-Muster gestrichen und stellen somit die Curbs dar. Auslaufzonen im herkömmlichen Sinne gibt es gar keine, lediglich in den engen Ecken (Kreuzungen im Straßenverkehr) kann man in einen Notausgang einfahren, wenn man zu spät auf der Bremse war. Eingefasst werden die Straßen wie in England üblich durch Steinmauern. Hofeinfahrten, Laternenmasten, Telefonhäuschen und Ähnliches, welches in die Strecke ragt werden mit schmalen Airfences oder in Folie eingepackten Strohballen gegen Aufprall geschützt. Wenn man das so betrachtet, eher zum Schutz der Gegenstände denn als Schutz für Fahrer und Beifahrer.

Der Straßenbelag der Rennstrecke stellte sich zum Teil glatt bis neu, aber eben an anderen Stellen auch wellig und eher schlecht dar. Der Verlauf der Straßen war in Natur plötzlich viel kurviger als in den vorher zu hundertfach angeschauten Youtube Videos.  Auch fehlten die typischen englischen breiten Gullydeckel in der Fahrbahn nicht und es galt sich neben dem Verlauf auch diese im Detail einzuprägen um sie ja nicht während des Trainings oder gar im Rennen zu treffen.  Dem Rennteam war schon etwas mulmig und keiner wagte die Frage was wohl bei einem „Abflug“ bei hoher Geschwindigkeit auf dieser Strecke alles passieren würde. Gott sei Dank wird auf der Isle of Man nicht bei Regen gefahren….oder galt das hier auf diesem Kurs nicht ? Erstmal verdrängen, wird schon…und die Sonne schien gerade herrlich.

Am Abend dann Abnahme der Schutzausrüstung in einer Halle im Ort. Jeder Fahrer und auch die Beifahrer der Gespanne bekam einen Laufzettel auf welchen diverse Positionen abgestempelt werden mussten. Handschuhnähte und Stiefelsohlen wurden ebenso penibel geprüft wie der Lederkombi und der Helm. Die Lizenzen gecheckt und für die „Neulinge“ eine orange Warnweste ausgegeben, welche beim Training und Rennen getragen werden musste. Auch war ein Namensschild mit Angabe des Geburtstags um den Hals Pflicht. Warum das ? Man wollte es lieber gar nicht so genau wissen. Alle „Neulinge“ mussten ferner anschließend eine Tour auf der Rennstrecke in einem Van durchlaufen bei welcher ein streckenkundiger Rennfahrer die Linie und problematische Stellen erklärte. Die Info´s waren leider sehr Solo-lastig, aber immerhin.  Ein vollständig ausgefüllter Laufzettel stellte sich als Bedingung für die technische Abnahme am nächsten Tag heraus und sollte dort abgegeben werden.

Der nächste Morgen brachte erneut Sonnenschein und nach einem reichhalten Frühstück im Homestay brach man voller Elan Richtung Fahrerlager auf. Der Tag wurde mit nochmaliger Durchsicht des Fiddaman-BSA Renngespann sowie der Besichtigung der „Wettbewerber“ verbracht, da das erste Training erst für Abends, Neun Uhr anberaumt war.  Es gab sogar schon überraschenderweise eine erste Auszeichnung. Ein Ortsansässiger Fahrzeuglackierbetrieb zeichnete Teilnehmer mit dem“ Best Tuned Sidecar Award“ aus und das Fiddaman- BSA-Renngespann des RCS-Racing-Team bekam den Pokal für Platz drei. Die erste technische Abnahme, welche bei den Road-Races auf der Isle of Man vor jedem Einsatz eines Rennfahrzeuges zu absolvieren ist, meisterte das RCS-Racing-Team Einsatzfahrzeug auf Grund der peniblen Vorbereitung auf Anhieb. Alle Fahrzeuge bleiben nach der Abnahme in der sogenannten Holding-Area. Tricksen hinsichtlich Luftdruck, Sprit oder ähnlichem ist damit ausgeschlossen. Erst zum Einsatz darf das Fahrzeug diesen Bereich wieder verlassen, geschraubt werden darf dort nicht.   

Für die Neulinge gab es erstmal zwei Einführungsrunden hinter einem Strecken-Marshall auf einer Honda Fireblade, bevor es im ersten Zeittraining ernst wurde. Diese Einführungsrunden , welche ja eigentlich als Streckenbesichtigung dienen sollten, mussten durch das Tempo des vorausfahrenden Marshall aber eher als freies Training gewertet werden. Allerdings beruhigte die Tatsache, das sich die Strecke viel flüssiger als vermutet fahren ließ. Lediglich ein Streckenabschnitt stellte sich als Huckelpiste da, dieser hatte aber auch die schäfste Spitzkehre und wurde daher nicht so schnell gefahren. Da alle Solo Klassen Ihre Trainingssitzungen vor den Gespannen hatten, stieg die Nervosität nun immer mehr an. Würde man sich qualifizieren können ? Immerhin standen jetzt richtig dicke Brummer in der Holding-Area. Neben zwei 1300er Imp-Gespannen und mehreren 1000er BMWs und Honda auch ein Yamaha TZ 750 Gespann welches noch dazu von Dave Molyneux (die TT Ikone schlechthin, kein Gespannfahrer hat die TT öfter gewonnen) gefahren wurde. Als im vor-vorletzten Solo-Training nach einem Motorschaden plötzlich viel Öl auf der Strecke war, fing dazu noch der Zeitplan an zu rutschen. Man bekam die Strecke einfach nicht so schnell wieder sauber. Es wurde daher immer später und die Dunkelheit brach langsam herein. Die Rennleitung entschied sich daher die zwei verbliebenen Solo-Trainings auf den Folgetag zu schieben und die Gespanne rauszulassen. Die haben ja drei Räder und kommen mit der rutschigen Sache schon klar. Als das RCS-Racing-Team dann endlich mit dem Fiddaman-BSA-Renngespann auf die Strecke fuhr war die Nervosität wie weggeblasen und man legte drei blitzsaubere Runden hin bevor die Dunkelheit sich wie ein Tuch über die Insel legte.

Der erste Renntag am Samstag zeigte sich erstmal bewölkt und wegen der nachzuholenden Solo-Trainings des Vortages wurde ein Gespann-Rennen gestrichen, so dass beide verbliebenen Rennen am Montag stattfinden sollten. Die Enttäuschung beim RCS-Racing-Team war neben der Absage aber umso größer als man die Zeiten des Vorabends anschaute…bislang nicht qualifiziert ! Da mussten noch ein paar Sekunden her. Die dicken Motoren und die langen Geraden mussten also mit Fahrkönnen und mehr Mut kompensiert werden. Hoffentlich wurden die bereits Führenden nicht noch schneller auf der nun wieder sauberen Piste. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und nach einer weiteren Einführungsrunde hinter dem „Renn-Marshall“ und der mittlerweile dritten technischen Abnahme ging es ins finale Zeit Training.  

Der Plan war, sich an ein anderes teilnehmendes BSA Gespann zu hängen, welches seit Jahren viel Streckenerfahrung gesammelt hat und bereits in der Qualifikationszeit fuhr. Die erste Runde klappte das ziemlich gut, bis komische Klapper-Geräusche ein drohendes Unheil verkündeten. Der hoch getunte Twin hatte sich wieder mal von ein paar Schrauben getrennt und der Kupplungsdeckel klapperte lose zwischen Motor und Tank auf dem Riemen des Primärantriebs. Aufgeben ? Wir waren für das Rennen durch halb Europa gefahren und nicht nur für das Training.  Unter normalen Umständen wäre langsam ins Fahrerlager fahren angebracht gewesen. Aber hier galt es die Qualifikation zu schaffen.  Also an der Fahrerlagereinfahrt mit voll Karacho dran vorbei. Alles oder nix. Eine einzige Runde also nur noch. Rainer Crome ließ es fliegen. Volles Risiko, technisch wie auch hinsichtlich der Gefahren der Strecke. Mehr ging nicht. Die heldenhafte Beifahrerin Tanja Crome hielt den heißen Deckel auf den Geraden fest und in den Kurven klapperte es furchterregend.

Also raus nach der Runde, noch eine hätte der lose Deckel und vor allem der darunter laufende Primärzahnriemen nicht durchgehalten. Mist, würde es reichen ? Banges warten auf die Zeiten. Dann die Erlösung, man war trotz der technischen Panne zehn Sekunden schneller als am Vortag. Die Spitze war zwar auch noch mal schneller geworden, man stand aber, wenn auch als letzter, in der Startaufstellung. Das Minimalziel war erreicht. Hurra !!!

Der Sonntag war Renn-frei und das Team genoss einen schönen Tag mit viel Motorrad Kilometern auf einer der schönsten Inseln der Welt.

Montag….Renntag…jetzt wurde es ernst. Die Zielflagge wollte das Team sehen. Einmal im Leben auf der Isle of Man unter den Finishern eines Gespann-Rennens sein ! Eine unruhige Nacht….dann plötzlich Regentropfen auf dem Dachfenster der Unterkunft. Regen !!! Nasse Piste !!! Und das hier, wo es eh schon keine Auslaufzonen gibt.  Fahrer Rainer Crome hatte schon viele Rennen auf der Isle of Man als Zuschauer gesehen, aber nie ein Regenrennen.  Würde man denn die Rennen unter diesen Voraussetzungen überhaupt starten ? Das Frühstück war eher ruhig, keiner traute sich es wirklich auszusprechen. Unter diesen Umständen bei dem Wind und Regen sollte der normale Menschenverstand das Thema einfach zu den Akten legen. Denn langsam hinter dem Feld herfahren war auch keine Option…sogenanntes „Touring“ wurde sofort mit Disqualifikation geahndet um Überrundungen auf der gefährlichen Strecke auszuschließen. Aber erstmal hinfahren, vielleicht schiebt die Rennleitung ja wegen des Wetters. Weit gefehlt, die erste Solo-Klasse machte sich schon startklar. Fahren oder nicht ? Das war jetzt die Frage. Das Team entschied sich auf Grund der positiven Erfahrung aus dem Hockenheim-Training im März auf ebenfalls klitschnasser Strecke zum Start. Also die Maschine wieder zur technischen Abnahme und in die Holding Area. Gleich auf die Startmaschine, dann Regenkombi an und nervös auf den Aufruf warten.  Ca. 10min vor dem Start hörte zumindest der Regen auf und man zog die Regenklamotten wieder aus. Auf in die Einführungsrunde hinter einem Pacecar in die Startaufstellung. Die Gischt des gesamten Feldes nahm nahezu die komplette Sicht und die Besatzung orientierte sich an den Regenlichtern der Vordermänner.   Beim Start gut weggekommen fädelte man sich am Ende der langen Start und Zielgeraden aber wieder hinten ein und versuchte die Pace der vorausfahrenden Gespanne zu halten. Bloß nicht als „Touring“ gelten….full risk….schon wieder : nur dieses Mal !!! Das Team hatte schon die ganze PreTT mit Zündproblemen bei heißem Motor zu kämpfen welche nun kurz vor Ende des Rennes wieder vermehrt auftraten. Sogar ein kurzer Stop bei „Cross Four Way´s “ war notwendig….kurzer Check, dann hinter dem Feld hinterher pröpelnd die Zielgerade herunter und mit der Zielflagge abgewunken. Finisher !!!!!!!

Für den zweiten Lauf am Nachmittag trat das RCS-Racing-Team wegen der Zündproblematik nicht mehr an. Man soll das Schicksal nicht herausfordern und das Ziel schien erreicht. Mehr war nicht drin. Abends im Pub am Stammtisch des Team- Homestay wurde das Team schon wie Helden gefeiert und am Folgetag sollte die Siegerehrung mit Präsentation der Rennmaschinen auf dem Marktplatz in Castletown stattfinden.

Alle Teilnehmer, welche offiziell gewertet wurden und keine weiteren Ehrungen erhielten, wurden nach und nach aufgerufen um die begehrten Finisher-Plaketten auf der Bühne entgegen zu nehmen. Nur das RCS-Racing Team nicht . Hatte man trotz aller Mühen das Ziel doch verfehlt ? War man final doch noch aus der Wertung gefallen wegen des Stopps auf der Strecke ? Bange Blicke…dann die Erlösung, das Team wurde als Best Newcomer auf die Bühne gerufen. Überraschung pur. Neben der Finisher- Plakette gab es somit noch je einen kleinen Pokal sowie ein Preisgeld von 50 Pound. Der Knaller aber war ein großer Wanderpokal auf welchem man nun für die Ewigkeit seinen Namen eingraviert bekommt. Whow…Gänsehaut! Ein unglaublicher Moment, welchen man nie vergessen wird !

Das Team verbrachte anschließend noch die gesamte Tourist Trophy auf der Isle of Man bevor alles wieder im großen Team-Trailer verpackt wurde und man glücklich die Heimreise antrat.

Nächste Station der Renn-Saison wird nun am Red-Bull-Ring sein, wo das RCS-Racing Team in der International Sidecar Trophy mit dem schnellen Windle-Yamaha F1 antritt.

Man sieht sich in Österreich……

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