RCS-Racing RCS Racing


Eine Spur im Kies und die Posse um die Lärmschutzwand

Die DHM startete zum zweiten Mal auf dem Schleizer Dreieck zusammen mit der Autogruppe GL-Pro. Das RCS-Racing-Team hatte mit dem Fiddaman-BSA Renngespann gemeldet weil die Strecke so schön eingebettet in der Landschaft liegt und alle alten Freunde aus den Jahren vor dem Unfall mit ihren Classic-Gespannen vor Ort waren. Leider war der Chefmechaniker des Teams verhindert so dass das RCS-Racing Team in Minimalbesetzung antrat. Die Klasse „Z“, in welcher das Renngespann seinerzeit eingruppiert wurde ist zum Leidwesen der älteren „Inter“-Gespanne etwas zum 1000er BMW-Cup geworden. Von 27 Startern gingen gut 20 mit den großen Boxern an den Start. Otto Haller seine bis vor zwei Jahren gebauten mittsiebziger Fahrgestelle mit einem gut getunten BMW Motor, plus einem beherzten Team an Bord fahren Zeiten, welche fast an aktuelle F2 Gespanne herankommen. Das RCS-Team wusste daher von Beginn an, das es ziemlich weit hinten in der Startaufstellung stehen würde. Man freute sich aber auf das entspannte Wochenende im Freundeskreis. 3 Tage Schleiz, am Freitag und Samstag je nur ein Training am Morgen, beide Wertungsläufe am Sonntag. Also viel Zeit zum Quatschen, mal ein Bier trinken und Müßiggang. Urlaub pur, so soll es ja bei Hobby-Rennsport auch sein. Befreundete Teams hatten auch schon einen Stellplatz im Fahrerlager freigehalten als man Donnerstagabend nach einem langen Arbeitstag und ca. 3,5 Stunden Fahrt am Dreieck eintraf.

Freitagmorgen ging es dann zum freien Training auf die Strecke und in der Mitte des Feldes gab es schon einige zu ärgern. Sei es auf der Bremse oder die Linienwahl man quetschte sich an manch einem Team vorbei. Bis zur nächsten Geraden, dann war man wieder hinten. Warum Rainer Crome sich dann plötzlich entschied das Kiesbett zu durchfahren konnte nicht final geklärt werden. Sei es weil es ohne Spur so jungfräulich dar lag, er dem Publikum auf dem Buchhubel was bieten wollte, die Lackierung des Gespanns zu neu war oder er einfach nur was zu putzen haben wollte, jedenfalls reihte man sich am gegenüberliegende Ende des Kiesbettes wieder ein und nahm das Training wieder auf. Die Beifahrerin, welche die Cross-Einlage nicht gerade mit Begeisterung hingenommen hatte bestand zu Recht auf Durchsicht des Gespanns und man fuhr kurz vor Ende der Trainingszeit zurück ins Fahrerlager. Das Sportgerät hatte den Ausritt aber bis auf ein paar Macken im Lack und an den unteren Aluteilen gut überstanden und stand nach kurzer Durchsicht und Reinigung wieder für die Qualifikation am Samstag zur Verfügung.

Kurz vor Ende der Motorrad-Trainings stoppte irgendeine einstweilige Verfügung irgendeines Amtes die gesamte Veranstaltung wegen einer Beschwerde eines Anwohners. Was war geschehen ? Ein Querulant aus Schleiz, welcher erst nach der Wende zuzog und seit dem gegen den Betrieb der Strecke klagt hatte die Verfügung erwirkt. Den Streckenbetreibern war als Auflage eine Lärmschutzwand vor dem Anwesen des Klägers gemacht worden, welche aber noch nicht fertig gestellt war. Dieser hätte natürlich schon im Vorfeld sein Recht geltend machen können, ist aber viel werbewirksamer wenn es während einer Veranstaltung dazu kommt. Den ganzen Nachmittag passierte somit auf der schönen Strecke überhaupt nichts mehr bis die letzten Elemente der Lärmschutzwand zumindest provisorisch an Ort und Stelle standen. Gegen Abend schaffte es dann die VfV Autogruppe GL-Pro noch ein paar Trainingssitzungen zu fahren. Da man jedoch im Zeitplan stark hinten hing und alle Teilnehmer ihr Recht  bekommen müssen, wurden alle weiteren Trainingszeiten Samstags sowie der erste Wertungslauf jeder Klasse auf 15min gekürzt.

Samstagmorgen, erstmal nasse Strecke nach starkem Regen über Nacht. Auf langsam abtrocknendem Asphalt ging es in kühler Morgenluft hinaus auf die Piste. Der bereits bekannte Fehler, welcher auch auf der PreTT schon so genervt hatte und welchen das Team mit dem Austausch des Hallgebers an der Zündung meinte behoben zu haben schlug in Runde 5 der Qualifikation überraschenderweise wieder zu. Gefrustet pröppelte man mit niedriger Drehzahl ins Fahrerlager zurück. Dort angekommen wurde die Zündspule sowie die Benzinpumpe getauscht, an irgendwas musste es ja liegen. Der Nachmittag brachte dann wieder relaxen in der Sonne oder als Zuschauer den Klassen der Autogruppe zuzuschauen.

Am Sonntagmorgen wurde zum ersten Wertungslauf aufgerufen. Der Veranstalter hatte bereits während der Fahrerbesprechung zum Unmut der Fahrer auf einen fliegenden Start hinter einem Pacecar hingewiesen um der Gesamt-Veranstaltung den Renncharakter zu nehmen. Da die DHM im Gleichmässigkeitsmodus gefahren wird, wollte man dem bereits o.g. Querulanten keinen Grund für weitere Beschwerden geben. Leider ist der Start nun mal das Salz in der Suppe und das langgezogene Starterfeld nach der Pacecar-Runde ist für das Zufahren der Lücke mit einem eh schon schwächeren 750er Motor gegenüber den vielen 1000er BMW Triebwerken erst recht nicht geeignet.  Also auf der Bremse die Meter holen, welche die dicken Pötte auf den Geraden davon fuhren. In der letzten Runde, man hatte sich an ein vorausfahrendes Kampfpaar kontinuierlich herangebremst, griff Rainer Crome in der letzten Schikane plötzlich an der Vorderradbremse ins Leere. Nur durch die gute Reaktion, einem ruckartigen Schlenker sowie hartem Runterschalten gelang es, nicht auf die vorausfahrende Wendel-BMW aufzufahren. Die Bremse hatte überhitzt und die Bremsflüssigkeit war über den Siedepunkt gegangen.

Statt schönem Frühstück mit Rührei und Speck hieß es nun Power-Schrauben. Bis zum zweiten Wertungslauf waren es nur 1,5 Stunden. Und das ohne den Chef-Mechaniker. Auch das im Fahrerlager benachbarte Team Umbach wuselte hektisch um deren Haller-BMW, man hatte schon in der ersten Runde einen Krümmer auf der Strecke verloren. Dieser lag unglücklicherweise direkt auf der Ideallinie am Ende der langen Start- und Zielgeraden und bevor er geborgen werden konnte war zumindest ein Gespann darüber gefahren. Somit galt es diesen erst zu richten bevor man ihn wieder anbauen konnte. 

Während Rainer Crome das Vorderrad ausbaute kühlte Tanja Crome die Bremse mit Pressluft etwas runter. Danach wurde die Bremsflüssigkeit getauscht und die Bremse gemeinsam entlüftet. Um die Wiederholung der Überhitzung zu vermeiden gestaltete Tanja Crome anschließend eine bessere Bremsenbelüftung mit etwas Pappe und Textilklebeband an der Verkleidung des Fiddaman-BSA Renngespann.

Einen kurzen Kaffee plus Brötchen später rollte das Team zum zweiten Wertungslauf. Die Startprozedur hinter dem Pacecar wie am Morgen und die dicken Pötte zogen wieder davon. Auch das Classic-Sidecar-racing-Team Odenwald, welche in der Startaufstellung direkt hinter dem RCS-Racing Team gelegen hatte ging bis zur ersten Kehre mit der dicken Haller-BMW vorbei. Die alte Ordnung stellte Rainer Crome aber schon auf dem Bremspunkt hinunter zur Stadtschikane wieder her. Klaus Marquardt mit Frau Ute im Boot ließ aber bis zur Zielflagge nicht locker und schoben sich mit der Macht der 1000ccm auf nahezu jeden Geraden wieder vorbei. In den Kehren und auf dem Bremspunkt wiederum konterte Rainer Crome und ging auf zum Teil abenteuerlichen Linien wieder am Odenwalder Team vorbei.  Auch war der leidige Leistungsfehler weder im ersten noch zweiten Lauf aufgetreten. Der Motor drehte auch in der siebten Runde noch sauber bei 7500 RPM in der Senk, das Team hofft daher den Fehler gefunden zu haben. Ob nun Zündspule oder Benzinpumpe der Fehlerteufel war ist egal und sei dahingestellt.

Nach den beiden Wertungsläufen und zum Abschluss des bis dahin schönen Wochenendes leider noch ein Tiefschlag als man ins Fahrerlager zurückkam. Ein Auto war über die Startmaschine und die Starterbatterie gefahren und hatte sich nach der Verursachung eines immensen Schadens an dem Equipment aus dem Staub gemacht. Ein aufmerksamer Rennfahrerkollege aber hatte sich das Kennzeichen notiert und man konnte den Fahrer ausfindig machen. Dieser war auch geständig und der Schaden wird hoffentlich ohne Querelen über die Versicherung des jungen Mannes abgewickelt.

Als Fazit des Wochenendes muss gesagt werden, dass die Strecke in Schleiz mit den vielen Zuschauern aus dem Umland schon zu den schönsten Strecken gehört welche man im Sidecar-Rennsport fahren kann. Das RCS-Racing Team wird aber in Zukunft nur noch im Rahmen der Int. Sidecar Trophy dort fahren.  Für das Fiddaman-BSA-Renngespann ist die Strecke zu schnell um gegen die vielen 1000er BMW´s (zumindest im bestehenden Reglement ) zu fahren. Gleichmäßigkeit hin oder her, das frustet nur die Besatzung. Somit wird der Einsatz des Classic-Gespann für die Saison 2018 neben dem Zeitfaktor noch der Streckenwahl unterworfen. Auch ein Reglement wie im Europäischen Camathias-Cup mit Klassen bis 750ccm und bis 1000ccm welche zwar auch zusammen fahren, allerdings getrennt gewertet werden könnte interessant sein.

Als nächstes steht jedoch der Home GP des RCS-Racing-Teams mit dem schnellen Windle-F1Sidecar in Oschersleben auf dem Plan, mit Mechaniker und Support-Team bestimmt ein Highlight der Saison.

Man sieht sich in der Börde…..

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