RCS-Racing RCS Racing


Bauhaus satt

Fahrbericht ADAC Sachsen-Anhalt Classic

Der ADAC hatte dieses Jahr nach Dessau eingeladen. Eine Stadt, bekannt durch viel historische Bauhaus Architektur und in der Vergangenheit als Sitz der Junkers Flugzeugwerke, was zu einem Zerstörungsgrat von ca. 85% im zweiten Weltkrieg führte. Reste gewaltiger Rollfelder aus Beton zeugen heute noch von der Bedeutung des innovativen Luftfahrt-Pioniers aus Dessau, welcher von den Nazi´s wegen fehlender Linientreue gleich nach deren Machtübernahme teilenteignet und mit Hausarrest bis zu seinem Lebensende 1935 belegt wurde.

Das RCS-Racing Team hatte den 1959er Austin Cambridge mit Tanja Crome am Volant gemeldet und war mit Motorhome und Trailer schon am Donnerstag angereist. Als Stellplatz und Basis-Quartier diente der Hugo Junkers Flugplatz in Dessau, ein kleiner Sportflugplatz mit großem Namen. Das Team lud abends noch den Austin ab und stellte den Trailer wie mit dem Platzwart abgesprochen auf einen Rasenstreifen gegenüber dem Stellplatz ab. Freitags dann erst mal mobiles Office aus dem Hymer-Starline bis am Nachmittag das Team „Lauenau“ (gute Freunde aus dem TR-Register)  mit deren Triumph TR6 eintraf. Gemeinsam ging es dann zum Veranstaltungsort, um die Startunterlagen und das Rallye-Schild entgegenzunehmen, um zunächst zur Tea-Time und danach zum abendlichem Dinner in den Ort zu fahren.   

Samstagmorgen früh raus, Käffchen und ab zum Veranstaltungsort.  Der Austin startet in Klasse „E“, Baujahre 1946 bis 1960 und damit ist man doch ziemlich früh dran im gesamten Starterfeld. Team „Lauenau“ mit dem Triumph TR 6 startete in Klasse „G“, Baujahre 1971-1980 und hatte daher noch viel Zeit als das RCS-Racing-Team schon auf die Strecke ging. Der ADAC hatte wieder eine schöne Tour gesteckt, auch hatte es zu dieser schon im Vorfeld Informationen zum Streckenverlauf gegeben, so dass auch viele Zuschauer an der Strecke standen und dem rollenden Museum Beifall zollten. Die erste Sonderprüfung war auf Gleichmäßigkeit ausgelegt, galt es möglichst genau mit 30 Km/h eine unbekannte Strecke abzufahren, welche auch Abbiegungen nötig machte und evtl. Gegenverkehr haben konnte. Die finale Auswertung (die Details gab es erst nach der Rallye im Internet) zeigte hier 2,53 Sekunden Differenz zur Sollzeit, also kassierte man 2,53 Strafpunkte. Die geringste Abweichung dieser Sonderprüfung war ein Wartburg aus dem Jahr 1964 mit lediglich 0,26 Sekunden und die größte Abweichung ein Porsche 914 aus dem Jahr 1971 mit mehr als 9 Minuten.

Mittagspause nach gut 95 Km war in der sogenannten Stadt aus Eisen in Ferropolis geplant. Mehrere riesige Braunkohlebagger sind dort auf einer Landzunge ausgestellt und die Fördergrube herum ist als See geflutet. Das Ganze wird als Naherholungsgebiet und Veranstaltungsgelände vermarktet.  Leider hatten ein paar Scherzbolde die Streckenhinweise entfernt und so irrten nahezu alle vor dem Austin gestarteten Fahrzeuge auf der Suche nach dem richtigen Ziel durch die Gegend. Wer dran vorbei fuhr, fand letztendlich zwar wieder Rallye-Hinweise, diese waren aber schon Streckenmarkierungen der Nachmittagsroute. Das RCS-Racing-Team kannte Ferropolis aber schon und somit ging es zielgenau als viertes Fahrzeug überhaupt zum Mittagstisch.

Der Re-Start zur Nachmittag-Route wurde als 3. Fahrzeug aufgenommen und die Streckenlänge war ungefähr gleich der Vormittags-Strecke. Die zweite Sonderprüfung des Tages war ähnlich gestaltet wie die vorhergehende, nur das dieses Mal exakt 29 Km/h zu fahren waren. Es zeigte sich die Übung aus dem Vormittag, da die Fahrerin die Strecke dieses Mal mit nur 0,69 Fehlerpunkten meisterte. Das beste Fahrzeug war ein Graham aus dem Jahr 1929 mit nur 0,10 Fehlerpunkten und die rote Laterne hatte ein VW Scirocco aus 1989 mit über 20 Minuten was zu max. 5,0 Fehlerpunkten führte. Allerdings gab es hier auch mehrere Fahrer welche die komplette Sonderprüfung übersehen hatten und sich damit 20 Punkte einheimsten. Die dritte Sonderprüfung folgte dann auf einem Parkplatz bei Bitterfeld kurz vor Rallye-Ende, hier musste man einen gezogenen Strich auf dem Asphalt um genau 77cm, gemessen zur hinteren Radnabe überfahren. Wer das schon mal versucht hat, weiß wie schwierig das abzuschätzen ist. Mit nur 13 cm Differenz lag das RCS-Racing-Team  schon im Spitzenfeld und sackte einen Fehlerpunkt ein.  Es gab nur sieben Fahrzeuge mit null Fehlerpunkten, bzw. unter 10cm Differenz, aber auch Fahrzeuge mit knapp einem Meter. Ein GM Pontiac aus 1956 hatte mit 1,18 m die größte Abweichung zum Sollmaß, mag aber auch an den Dimensionen des gewaltigen Heck-Flossen-Schlachtschiff gelegen haben.

Der ADAC versuchte neben der Bordkarte mit Stempelkontrollen sowie den Sonderprüfungen mit einer versteckten Geschwindigkeitsmessung noch ein weiteres Punkte-Kriterium zu schaffen, welches aber schief ging, da man sich auf einem Kopfsteinpflaster-Stück positioniert hatte wo sich alle Fahrer auf Grund der Fahrbahnbeschaffenheit brav an die vorgeschriebene Geschwindigkeit gehalten hatten. Die Zielankunft in Dessau hatte das Flair einer Stadtrundfahrt, die Route ging final noch mal an allen wichtigen Bauhaus-Denkmälern vorbei und es waren auch viele Zuschauer gekommen, um am Golfpark die Classic-Cars beim finalen Durchfahren des gelben ADAC-Bogens zu sehen. Am Abend dann der traditionelle Fahrer-Abend mit Buffet und DJ bei welchem jedes Mal neue und interessante Kontakte in die Szene geknüpft werden können.

Der Sonntagmorgen begann leider ungeplant früh. Der Fallschirmsportverein Dessau, welcher sein Domizil am Flughafen genau gegenüber des Wohnmobil-Stellplatzes hat, fing schon ab 6:30 Uhr mit dem Aufbau eines großen Zeltes an und beendete somit die schönen Träume des RCS-Racing-Teams. Dadurch bedingt war man früh am Veranstaltungsort zur Classic-Show, bevor zur Siegerehrung aufgerufen wurde. Der Oldtimer-Club Dessau brachte denn auch nochmal viele interessante Fahrzeuge bei und zeigte, das auch im Osten der Republik nicht nur Trabbi und Wartburg in der Szene Anklang finden.

Die anschließende Siegerehrung brachte dann auch das erhoffte Ergebnis : Platz 1 für das RCS-Racing-Team (4,22 Fehlerpunkte)!  Team „Lauenau“ belegte dazu in Klasse „G“ den 2. Platz mit 4,57 Fehlerpunkten.  Die nächste geplante Sportveranstaltung in 2026 wird das „Sidecar-Festival“ sein, wo das Team mit dem Fiddaman-BSA Gespann an den Start gehen will. Die ADAC-Niedersachsen-Classic muss dieses Jahr aus parallel-Termingründen für das RCS-Racing Team leider ausfallen.

Man sieht sich in Oschersleben !!

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